Die Reise nach Reims* Oper von Gioachino Rossini Dramma giocoso in un atto (1825) in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln Premiere am 10. April 2010 Wiederaufnahme am 29. November 2012 Fr 04.11.11 | 19:30–22:25 | Opernhaus Abonnement: Fr 4 Zwölf Personen aus ganz Europa sitzen fest und kommen einfach nicht weiter! Stattdessen pflegen sie ihre Spleens und Neurosen, wie etwa die schon in jungen Jahren verwitwete Gräfin von Folleville, die sich voll und ganz der Haute couture verschrieben hat und einen Nervenzusammenbruch erleidet, als sie erfahren muss, dass ihr gesamtes Gepäck mit all den darin befindlichen Designer-Modellen bei einem Verkehrsunfall vernichtet wurde. Die polnische Marquise Melibea hingegen, »Witwe eines italienischen Generals, der am Hochzeitstag bei einem feindlichen Überraschungsangriff starb«, hat mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Sie wird sowohl von dem russischen General Graf von Libenskof als auch von dem spanischen Admiral Don Alvaro heftigst umworben. Stammen die beiden Herren im Hinblick auf ihre geographische Herkunft von zwei weit entfernten Polen des europäischen Kontinents, so sind sie doch in ihren geradezu pubertären Anfällen von Eifersucht kaum voneinander zu unterscheiden. Da äußert sich die zarte Leidenschaft des englischen Oberst Lord Sidney für die berühmte römische Improvisationskünstlerin Corinna wesentlich leiser, oder – um es genau zu sagen – gar nicht! Denn der arme Lord ist so schüchtern, dass er sich nicht ermannen kann, der Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Der mit Corinna befreundete Literat und Wissenschaftler Don Profondo wiederum interessiert sich nicht für Frauen, sondern für absurde Antiquitäten – vom Schwert des sagenhaften keltischen Königs Fingal bis zur Ritterrüstung von König Arthus. Kein Kostverächter ist hingegen der französische Offizier Belfiore, der allen Frauen, besonders aber der modeversessenen Gräfin Folleville, den Hof macht.
Wem angesichts all dieser Absurditäten schon der Kopf schwirrt, den wird die rasante und quirlige Musik dazu vollends schwindlig machen. Denn was vom Handlungsaufbau her fast wie ein Stück von Beckett oder Ionesco wirkt, hat kein anderer als der Meister der Opera buffa, Gioacchino Rossini, in Noten gesetzt. Mit »Il viaggio a Reims« schrieb er seine letzte italienische Oper und schuf damit Krönung und Abschluss zugleich: Mit der Meisterschaft seines in 15 Jahren und über 30 Werken erworbenen Könnens zog Rossini in der ihm eigenen humorvollen Weise Bilanz, nicht zuletzt über die Gattung Oper an sich. Zugleich aber empfahl er sich damit für seinen neuen Wirkungsort Paris. Denn der Anlass der Uraufführung war ein ganz besonderer: die Krönung von Charles X. am 29. Mai 1825 in Reims! Genau dahin wollen denn auch die Protagonisten der Oper so dringend und doch erfolglos abreisen. Und indem Rossini die besonderen Umstände nutzte und die Stars des Théâtre Italien in einer Oper vereinte, schrieb er einmal mehr eine Oper über die Oper, in der sich die Wirklichkeit von Opernallüren und Diven-Gehabe auf ganz eigentümliche Weise mit der Fiktion der seltsam »gefangenen«, spleenigen Reisenden verwob.
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